Mediales Längsbündel

Fasciculus longitudinalis medialis

Definition

Muhammad A. Javaid

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Das Mediale Längsbündel (MLF) ist ein Bündel paariger Nervenfasern, die jeweils beidseits der Mittellinie des Hirnstamms verlaufen. Es liegt unmittelbar neben der Mittellinie und verläuft ventral des Aquädukts und des Vierten Ventrikels.

Das MLF spielt eine entscheidende Rolle bei der Koordination von Augenbewegungen durch seine Verbindungen zwischen den ipsilateralen Kernen des Nervus oculomotorius und des Augenrollnerven sowie dem kontralateralen Kern des Augenabziehnerven [VI]. Diese Konnektivität ermöglicht konjugierte Augenbewegungen, bei denen sich beide Augen synchron und parallel bewegen. Zu diesen Bewegungen zählen Sakkaden, glatte Folgebewegungen der Augen sowie Komponenten der vestibulo-okulären Reflexe.

Der Kern des Augenabziehnerven [VI] aktiviert nicht nur den seitlichen geraden Augenmuskel, sondern fungiert auch als horizontales Blickzentrum. Er sendet Signale über das MLF zum kontralateralen Kern des Nervus oculomotorius und bewirkt so die gleichzeitige Kontraktion des mittleren geraden Augenmuskels der Gegenseite. Blickt eine Person beispielsweise nach rechts, aktiviert der rechte Kern des Augenabziehnerven [VI] den rechten seitlichen geraden Augenmuskel, während der linke Kern des Nervus oculomotorius den linken mittleren geraden Augenmuskel aktiviert, sodass sich beide Augen nach rechts bewegen. Eine Läsion des MLF, wie sie etwa bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose vorkommt, kann zu einer internukleären Ophthalmoplegie führen und eine horizontale Blickdiplopsie verursachen.

Über die Koordination konjugierter Augenbewegungen hinaus integriert das MLF Augenbewegungen mit Kopf-, Hals- und Körperbewegungen. Es verbindet die medialen und oberen Vestibularkerne der gleichen Seite mit den extaokulären motorischen Nervenkernen, um den vestibulo-okulären Reflex zu vermitteln. Das MLF dient zudem als Leitungsbahn für die absteigenden medialen vestibulospinalen Fasern, die die medialen Vestibularkerne mit dem zervikalen Rückenmark verbinden und so Kopf- und Halsbewegungen mit Augenbewegungen koordinieren, um den Blick auf interessierende Objekte zu stabilisieren.

Das MLF ist somit von zentraler Bedeutung für die Verschaltung zwischen den Vestibularkernen, den extraokulären motorischen Kernen und der zervikalen Rückenmarkregion und koordiniert ein breites Spektrum an Bewegungen, an denen Augen, Kopf, Hals und oberer Rumpf beteiligt sind.

Referenzen

  • Blumenfeld, H. (2010). ‘Chapter 13: Brainstem III: Eye movements and pupillary control’, in Neuroanatomy through clinical cases. (2nd ed.) Sunderland, Mass.: Sinauer Associates, pp. 548–549.

  • Blumenfeld, H. (2010). ‘Chapter 12: Brainstem I: surface anatomy and cranial nerves’, in Neuroanatomy through clinical cases. (2nd ed.) Sunderland, Mass.: Sinauer Associates, pp. 490 & Fig. 12.18.

  • Feroze KB, Wang J. Internuclear Ophthalmoplegia. [Updated 2023 Jun 26]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2024 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK441970/

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