Vagusnerv

Nervus vagus

  • Lateinisches Synonym: Nervus cranialis X
  • Verwandte Bezeichnungen: Vagusnerv [X]

Definition

Muhammad A. Javaid

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Nummer: X

Name: Vagus

Sensorisch, motorisch oder beides: Sowohl sensorisch als auch motorisch

Ursprung: Hinterseitenfurche des Marks (Medulla oblongata)

Kerne: Ambiguuskern, Dorsaler motorischer Vaguskern, Solitärkern.

Funktion: Versorgt die meisten Kehlkopf- und Rachenmuskeln mit branchiomotorischer Innervation (ausgenommen den Schlundkopferweiterer, der vom Zungen-Rachen-Nerv innerviert wird) und steuert die Muskeln für Stimme und Resonanz sowie den weichen Gaumen. Führt außerdem parasympathische Fasern zu nahezu allen thorakalen und abdominalen Eingeweiden bis zur Flexura splenica. Empfängt den Sondersinneseindruck des Geschmacks vom Kehldeckel.

Beschreibung:

Der Nervus vagus (CN X) ist ein gemischter Hirnnerv, das heißt, er enthält sowohl sensorische als auch motorische Fasern. Er ist einer der bedeutendsten Hirnnerven und spielt eine entscheidende Rolle bei der autonomen Steuerung verschiedener thorakaler und abdominaler Organe sowie bei somatomotorischen und somatosensorischen Funktionen im Kopf- und Halsbereich. Der Begriff „Vagus" leitet sich vom lateinischen Wort für „umherwandernd" ab, was angesichts des ausgedehnten und weitreichenden Verlaufs dieses Nervs durch den gesamten Körper treffend ist.

Kerne des Nervus vagus:

Der Nervus vagus entspringt aus drei Hauptkernen, die im Mark (Medulla oblongata) lokalisiert sind:

1. Hauptmotorischer Kern: Ambiguuskern

Der motorische Anteil des Nervus vagus entspringt dem Ambiguuskern, der tief in der Retikulärformation des Marks (Medulla oblongata) gelegen ist. Er erhält bilaterale afferente Eingänge von den kortikonnukleären Bahnen der Großhirnhemisphären. Die efferenten Fasern dieses Kerns versorgen die Rachenmuskeln, die intrinsischen Kehlkopfmuskeln und die Gaumenmuskeln (ausgenommen den Gaumensegelspanner, der vom Ramus mandibularis des Drillingsnerves innerviert wird).

2. Parasympathischer Kern: Dorsaler motorischer Vaguskern

Die parasympathischen Fasern entspringen dem dorsalen motorischen Vaguskern. Dieser Kern liegt unterhalb des Bodens des Vierten Ventrikels, posterolateral des Nucleus nervi hypoglossi. Er erhält afferente Eingänge vom Hypothalamus über absteigende autonome Bahnen sowie vom Zungen-Rachen-Nerv (für den Karotissinusreflex). Die efferenten präganglionären parasympathischen Fasern innervieren die glatte Muskulatur der Bronchien, des Herzens, der Speiseröhre, des Magens, des Dünndarms und eines Teils des Dickdarms (bis zum distalen Drittel des querverlaufenden Grimmdarms).

3. Sensorische Kerne: Nucleus tractus solitarii und spinaler Kern des Drillingsnerves

Sensorische Eingänge werden vorwiegend im Nucleus tractus solitarii verarbeitet, der im unteren Mark (Medulla oblongata) lokalisiert ist. Informationen über Geschmacksempfindungen vom Kehldeckel und vom Rachen gelangen über periphere Axone, deren Zellkörper im unteren Ganglion (Ganglion inferius) des Nervus vagus liegen, zu diesem Kern.

Somatosensorische Eingänge vom äußeren Ohr, vom äußeren Gehörgang und aus bestimmten Bereichen der harten Haut werden ebenfalls vom Nervus vagus verarbeitet und zum spinalen Kern des Drillingsnerves weitergeleitet.

Austritt aus dem Hirnstamm:

Der Nervus vagus tritt an der vorn-seitlichen Fläche des oberen Teils des Marks (Medulla oblongata) als eine Reihe von Wurzelfäden zwischen der Olive und dem unteren Kleinhirnstiel aus.

Verlauf und Bahn des Nervus vagus:

Der Nervus vagus ist der längste Hirnnerv und erstreckt sich vom Hirnstamm bis in den Bauch. Sein detaillierter Verlauf lässt sich wie folgt zusammenfassen:

1. Intrakranieller Verlauf

Der Nervus vagus verlässt die Schädelhöhle durch das Drosselloch in der hinteren Schädelgrube. Am Drosselloch enthält der Nerv zwei sensorische Ganglien: a – Das obere Ganglion (Ganglion jugulare), das der somatischen Sensibilität zugeordnet ist. b – Das untere Ganglion (Ganglion nodosum), das mit der viszeralen Sensibilität und dem Geschmackssinn assoziiert ist.

2. Im Hals

Der Nervus vagus verläuft innerhalb der Gefäß-Nerven-Scheide (Vagina carotica) abwärts, zwischen der inneren Drosselvene und der Halsschlagader.

Wichtige Äste im Halsbereich umfassen:

Ohrmuschelast

Versorgt das äußere Ohr mit sensorischer Innervation.

Rachen- und Gaumenäste

Führen motorische Fasern zu den Rachen- und Gaumenmuskeln (ausgenommen Schlundkopferweiterer und Gaumensegelspanner).

Oberer Kehlkopfnerv

Teilt sich in einen inneren und einen äußeren Ast, die für die Sensibilität oberhalb der Stimmlippen bzw. für die motorische Innervation des Schildknorpel-Ringknorpelmuskels zuständig sind.

3. Im Thorax

Der rechte und der linke Nervus vagus:

Rechter Nervus vagus

Der rechte Nervus vagus zieht anterior über die Schlüsselbeinarterie und gibt den rechten Rückläufigen Kehlkopfnerv ab, der unter die Schlüsselbeinarterie schlingt und zum Kehlkopf aufsteigt.

Linker Nervus vagus

Der linke Nervus vagus zieht über den Aortenbogen, wo er den linken Rückläufigen Kehlkopfnerv abgibt, der unter den Bogen schlingt und in ähnlicher Weise aufsteigt.

Beide rückläufigen Kehlkopfnerven versorgen die intrinsischen Kehlkopfmuskeln (ausgenommen den Schildknorpel-Ringknorpelmuskel).

Herzgeflecht und Lungengeflecht

Der Nervus vagus führt parasympathische Fasern zum Herzgeflecht und zu den Lungengeflechten bei. Im Herzgeflecht liefert er Eingänge, die zur Regulierung der Herzfrequenz beitragen, indem sie diese durch parasympathische Stimulation senken. In den Lungengeflechten trägt der Nervus vagus Fasern bei, die Bronchokonstriktion und Schleimsekretion fördern.

4. Im Bauch

Speiseröhrengeflecht

Beide Nervi vagi tragen zum Speiseröhrengeflecht bei, während sie in den Thorax absteigen.

Vorderer und hinterer Vagusstamm

Nach dem Durchtritt durch den Speiseröhrenschlitz des Zwerchfells reorganisieren sich die Nerven in den vorderen Vagusstamm (überwiegend aus dem linken Nervus vagus) und den hinteren Vagusstamm (überwiegend aus dem rechten Nervus vagus).

– Diese Stämme versorgen die abdominalen Eingeweide mit parasympathischer Innervation, darunter Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Darm (bis zum distalen Drittel des querverlaufenden Grimmdarms), über den Plexus coeliacus, den Plexus renalis und den Plexus mesentericus superior.

Innervation und Funktionen:

Die Funktionen des Nervus vagus sind vielfältig und umfassen:

Somatomotorische Funktionen

Innerviert die Muskeln des Rachens und des Kehlkopfs (ausgenommen Schlundkopferweiterer und Gaumensegelspanner), die für das Schlucken und die Phonation unerlässlich sind.

Parasympathische Funktionen

Reguliert die autonomen Funktionen des Herzens (Senkung der Herzfrequenz), der Lungen (Bronchokonstriktion) und des Verdauungstrakts (Förderung von Peristaltik und Sekretion).

Viszerosensorische Funktionen

Erfasst Veränderungen in den thorakalen und abdominalen Eingeweiden, wie Blutdruck und Dehnung.

Sondersensorische Funktionen

Vermittelt Geschmacksempfindungen vom Kehldeckel und vom Rachen.

Somatosensorische Funktionen

Vermittelt Sensibilität für Teile des äußeren Ohrs, des äußeren Gehörgangs und des Mundrachen.

Klinische Bezüge:

Schädigungen oder Funktionsstörungen des Nervus vagus können je nach Läsionsort zu einem breiten Spektrum klinischer Manifestationen führen:

  • Heiserkeit oder Stimmverlust (infolge einer Schädigung des rückläufigen Kehlkopfnerves).

  • Dysphagie (Schluckstörung) aufgrund einer beeinträchtigten Rachenfunktion.

  • Ausfall des Würgereflexes (efferenter Schenkel).

  • Beeinträchtigung parasympathischer Funktionen, wie erhöhte Herzfrequenz und verlangsamte Magenmotilität. In schweren Fällen kann es zu lebensbedrohlichen autonomen Funktionsstörungen kommen, einschließlich Tachykardie, Atemschwierigkeiten und Verdauungslähmung.

Referenzen

  • Snell, R.S. (2010). ‘Chapter 11: The cranial nerve nuclei and their central connections and distribution’, in Clinical Neuroanatomy. (7th ed.) Philadelphia: Wolters Kluwer Health/Lippincott Williams & Wilkins, pp. 352-354.

  • Kenny BJ, Bordoni B. Neuroanatomy, Cranial Nerve 10 (Vagus Nerve) [Updated 2022 Nov 7]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2024 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/books/NBK537171/

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