Beschrifteter Querschnitt der Anatomie des brachyzephalen Hundekopfes durch CT-Bildgebung

Beschrifteter Querschnitt der Anatomie des brachyzephalen Hundekopfes durch CT-Bildgebung

Beschrifteter Querschnitt der Anatomie des brachyzephalen Hundekopfes durch CT-Bildgebung


Einleitung

Die Beliebtheit von brachyzephalen Hunderassen (französische und britische Bulldoggen, Möpse, Cavalier-King-Charles-Spaniels, Shih Tzus usw.) hat zu übertriebenen Züchtungen und extremen Veränderungen der Schädelmorphologie bei Hunden geführt. Zu diesen Veränderungen gehört, dass Fehlbildungen der oberen Atemwege mit zunehmender Häufigkeit zu obstruktiven Atemwegserkrankungen und schwerer Atemnot bei diesen Tieren geführt haben.

Anhand klinischer Untersuchungen können bestimmte Teilaspekte obstruktiver Erkrankungen der oberen Atemwege bewertet werden. Diese Untersuchungen können um eine Computertomographie des Kopfes ergänzt werden, da diese Bewertungen von Missbildungen der Nasenmuscheln, einer Dehnung und Verdickung des Gaumensegels, einer Vergrößerung und Positionierung des Zungengrunds, der Dimensionen des Nasopharynx, einer Verdickung der Weichgewebe innerhalb des Nasopharynx oder Missbildungen des Kehlkopfs ermöglicht. Außer diesen spezifischen Indikationen sind CT-Aufnahmen ferner nützlich für die Erkennung vieler anderer klinisch relevanter Abweichungen: Zahnbeschwerden, Nasenneben- oder Kieferhöhlenerkrankungen und Kiefergelenksbeschwerden, neurologische Störungen, Traumata, Gewichtsuntersuchungen oder Bewertungen von Tumorausbreitungen, Planung von chirurgischen Eingriffen, Ohrentzündungen usw.

Eine wesentliche Grundvoraussetzung für die Auswertung von CT-Aufnahmen des Kopfes ist ein profundes Verständnis der Anatomie. Dieses Modul soll Studierenden, praktizierenden Ärzten, Chirurgen und Radiologen detaillierte Informationen über die normale Anatomie des brachyzephalen Hundekopfes liefern.

Anatomieatlas des Kopfes eines brachycephalen Hundes auf Computertomografie (CT), die den Nasengang zeigt
Querschnitt eines brachycephalen Hundekopfes auf einer Computertomografie (CT), auf der Ebene des infraorbitalen Kanals: ventraler, mittlerer, dorsaler und gemeinsamer Nasengang.

Material und Methoden

Diese CT-Untersuchung des Kopfes wurde von Frau Dr. Susanne AEB Boroffka, Dipl.- ECVDI, PhD (Utrecht, Niederlande), an einem brachyzephalen Hund durchgeführt. Die Untersuchung erstreckt sich vom Mundbereich bis hin zum zweiten Halswirbel.


Die anatomischen Strukturen wurden von Herrn Stephan Mahler, DVM (Veterinär-Anatom, Montpellier, Frankreich), nach der Nomina Anatomica Veterinaria (NAV) beschriftet. 

 

Sie wurden in drei verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Allgemeine Anatomie
  • Regionen
  • Knochen
    • Schädel (Allgemeine Anatomie)
    • Hinterhauptsbein
    • Basisphenoid (hinteres Keilbein)
    • Vorderes Keilbein
    • Flügelbein
    • Schläfenbein
    • Scheitelbein
    • Stirnbein
    • Siebbein
    • Pflugscharbein
    • Nasenbein
    • Tränenbein
    • Oberkiefer
    • Zwischenkieferbein
    • Gaumenbein
    • Jochbein
    • Unterkiefer
    • Zungenapparat (Zungenbein)
    • Wirbelsäule
    • Oberarmknochen
  • Kopfnähte
  • Gelenke
  • Muskeln
    • Muskeln des Kopfes
    • Augapfelmuskeln
    • Kaumuskulatur
    • Halsmuskeln
    • Muskeln des Rückens
    • Faszien
  • Verdauungsapparat
    • Mundhöhle
    • Zähne
    • Zähne – Nummerierung
    • Speicheldrüsen
    • Zunge
    • Rachen (Nasopharynx, Oropharynx, Laryngopharynx): Während der obere Teil des Rachens (Nasopharynx) aus funktionaler Sicht dem Atmungssystem zuzurechnen ist, ist er aus anatomischer Sicht Teil des Verdauungsapparats.
    • Speiseröhre
  • Atmungssystem
    • Äußere Nase
    • Nasenhöhle
    • Nasennebenhöhlen
    • Kehlkopf
    • Luftröhre
  • Auge
  • Ohr
    • Äußeres Ohr
    • Mittelohr
    • Innenohr
  • Arterien
  • Venen
  • Lymphknoten
  • Nervensystem
     


Ergebnisse 

Während der Kennzeichnung der anatomischen Strukturen wurden folgende Abweichungen identifiziert:

  • Der Gelenkfortsatzkanal des Hinterhauptbeins, der erhebliche Abweichungen von einer Art zur anderen (und selbst innerhalb derselben Art) aufweist, ist bei diesem Hund sehr kurz, fast auf ein Foramen reduziert.
Transversale Ansicht des Gelenkfortsatzkanals des Hinterhauptbeins (brachyzephaler Hund der Studie)Transversale Ansicht des Gelenkfortsatzkanals des Hinterhauptbeins (mesozephaler Hund)
Sagittale Ansicht des Gelenkfortsatzkanals des Hinterhauptbeins (brachyzephaler Hund der Studie)Sagittale Ansicht des Gelenkfortsatzkanals des Hinterhauptbeins (mesozephaler Hund)
Dorsale Ansicht des Gelenkfortsatzkanals des Hinterhauptbeins (brachyzephaler Hund der Studie)Dorsale Ansicht des Gelenkfortsatzkanals des Hinterhauptbeins (mesozephaler Hund)

 

  • Der linke Schläfengang teilt sich proximal in zwei etwa parallele Gänge. Diese Gänge vereinen sich distal, bevor sie sich durch das retroartikuläre Loch öffnen.
Sagittale Ansicht der Unterteilung des linken SchläfengangsSagittale Ansicht des rechten Schläfengangs

 

  • Auf der rechten Seite ist kein kaudales Flügelloch vorhanden. Die rechte Oberkieferarterie durchquert nicht den Flügelkanal, um in die Flügelgaumengrube zu münden; anstattdessen verläuft sie ventrolateral entlang des hinteren Keilbeins (Basisphenoid). 
Transversale Ansicht auf der Ebene des linken kaudalen Flügellochs. Das rechte kaudale Flügelloch ist nicht identifiziert.Transversale Ansicht auf der Ebene des kranialen Flügellochs. Die Oberkieferarterie verläuft im Inneren des Flügelkanals auf der linken Seite und ventrolateral zum Basisphenoid auf der rechten Seite.

 

  • An der Unterseite des Schädels, zwischen der Hypophysengrube und des rechten Foramen rotundum, öffnet sich ein anormales Foramen. Aus diesem Foramen bildet sich ein Kanal: anfänglich ventral ausgerichtet, dreht er sich rostro-lateral um 90° und öffnet sich auf der Ebene des rostralen Flügellochs. Entlang des Kanals verlaufen Blutgefäße, mit Wahrscheinlichkeit die Emissarvene des Foramen rotundum und/oder der mittleren Hirnhautvene.
Transversale Ansicht auf der Ebene des Foramen rotundum. Ein anormales Foramen wurde identifiziert.Dorsale Ansicht auf der Ebene der Hypophysengrube. Ein anormaler Kanal wurde identifiziert.

 

  • Die rechte Jochbeindrüse erstreckt sich rostral über die orbitale Oberfläche hinaus, dorsal zum Jochbein verlaufend. Sie erstreckt sich auch rostral durch den Unteraugenkanal.
Sagittale Ansicht der rechten Jochbeindrüse, die sich rostral über die orbitale Oberfläche hinaus erstreckt.Dorsale Ansicht der rechten Jochbeindrüse, die sich rostral durch den Unteraugenkanal erstreckt.

 

  • Das Querfortsatzloch von C2 fehlt auf der rechten Seite.
Transversale Ansicht der Achse. Das rechte Querfortsatzloch fehlt.

 

  • Im Nasenteil des Rachens, rechts, ist ein anormales kaudales Endoturbinat zu erkennen. Im mittleren Nasengang sind beiderseitige anormale kraniale Endoturbinate zu erkennen.
Dorsale Ansicht des Nasenteils des Rachens. Hier ist rechts ein anormales kaudales Endoturbinat zu erkennen.Transversale Ansicht der Nasenhöhle. Hier sind beiderseitige anormale kraniale Endoturbinate zu erkennen.

 

  • Hier ist die rostrale Verschiebung der Paukenblase, im Vergleich zu einem mesozephalen Hund, zu erkennen. Diese Position führt zu einer Überlagerung der Paukenblase und des Kiefergelenks, wie von Mielke et al. 2017 bei französischen Bulldoggen und Möpsen beschrieben. 
Position des Kiefergelenks und der Paukenblase, wie von Mielke et al. 2017 beschrieben, auf einer 3D-Computertomographieansicht, welche die Schädelmorphologie zeigt (brachyzephaler Hund der Studie).Position des Kiefergelenks und der Paukenblasen, wie von Mielke et al. 2017 beschrieben, auf einer 3D-Computertomographieansicht, welche die Schädelmorphologie zeigt (mesozephaler Hund).

 

  • Eine moderate Sklerose der Paukenblasenwand ist festzustellen (Score 2, gemäß Mielke et al. 2017).
Transversale Ansicht auf der Ebene der Paukenblase, deren Wand eine Dicke von 2 bis 4 mm aufweist (brachyzephaler Hund der Studie).Transversale Ansicht auf der Ebene der Paukenblase, deren Wand eine Dicke von 1 mm aufweist (mesozephaler Hund der Studie).

 

  • Das Höhen-Breiten-Verhältnis des Ringknorpels (Höhe: 15,03 mm, Breite: 9,668 mm, Verhältnis: 1,55) war ähnlich wie das von Rutherford et al. (2016) bei französischen Bulldoggen beschriebene Verhältnis. Dieses Ergebnis weist auf einen vertikaler ovoiden Ringknorpel im Vergleich zu dem von mesozephalen Hunden hin, was eine Hypoplasie der Atemwege begünstigt. Ebenso wurde eine relativ geringe Breite der Luftröhre festgestellt, was mit den Ergebnissen von Rutherford et al. (2016) kohärent ist.
Transversale Ansicht des Ringknorpels. Die internen Höhen- und Breitendimensionen sind sichtbar.Transversale Ansicht der Luftröhre auf der Ebene von C4. Die interne Breitendimension ist sichtbar.
  • Die Zähne 305, 306, 311, 405 und 411 fehlen (es liegen eine erhebliche apikale Osteolyse und Drehungen der Zähne 110, 210 und 410 vor).
  • Die verschiedenen Kammern der Stirnhöhle (rostrale, mediale und laterale Stirnhöhle) sind schwer zu unterscheiden und in ihrer Größe sehr unterschiedlich.

Keyframes

Beschriftete Computertomografie (CT) des Kopfes eines brachycephalen Hundes auf der Ebene der Paukenblasen.
Querschnitt eines brachycephalen Hundekopfes auf einer Computertomografie (CT), auf der Ebene der Paukenblasen, auf dem Rachen, weicher Gaumen, Epiglottis und Innenohr zu sehen sind.
Sagittale Ansicht Computertomografie (CT) bei einem brachycephalen Hund, die den weichen Gaumen zeigt
Sagittale Ansicht eines brachycephalen Hundekopfes auf Computertomografie (CT): Nasopharynx, Oropharynx und weicher Gaumen.
Anatomieatlas des Kopfes eines brachycephalen Hundes auf Computertomografie (CT), die den Nasengang zeigt
Abbildung 1 - Querschnitt eines brachycephalen Hundekopfes auf einer Computertomografie (CT), auf der Ebene des infraorbitalen Kanals: ventraler, mittlerer, dorsaler und gemeinsamer Nasengang.
Beschriftete Computertomografie (CT) des Kopfes eines brachycephalen Hundes auf der Ebene der Paukenblasen.
Abbildung 25 - Querschnitt eines brachycephalen Hundekopfes auf einer Computertomografie (CT), auf der Ebene der Paukenblasen, auf dem Rachen, weicher Gaumen, Epiglottis und Innenohr zu sehen sind.
Sagittale Ansicht Computertomografie (CT) bei einem brachycephalen Hund, die den weichen Gaumen zeigt
Abbildung 26 - Sagittale Ansicht eines brachycephalen Hundekopfes auf Computertomografie (CT): Nasopharynx, Oropharynx und weicher Gaumen.
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