Seitliche Pyramidenbahn
Tractus corticospinalis lateralis
Definition
Die seitliche Pyramidenbahn, eine deszendierende motorische Bahn, ist von zentraler Bedeutung für willkürliche, koordinierte (bzw. feine) Bewegungen distaler Muskeln. Im Gehirn verläuft sie gemeinsam mit der vorderen Pyramidenbahn, die die axiale Muskulatur kontrolliert und zur Haltungsregulation beiträgt. Beide Bahnen deszendieren im Gehirn in enger Nachbarschaft, jedoch trennen sich ihre Fasern an der Kreuzung im Mark (Decussatio pyramidum).
Die Pyramidenbahnen – die seitliche und die vordere – entspringen dem primären motorischen Kortex (Gyrus precentralis, Area 4), dem prämotorischen Kortex (Area 6) sowie dem primären sensorischen Kortex (Gyrus postcentralis, Areae 3, 1, 2). Zunächst nicht voneinander zu unterscheiden, deszendieren die Fasern der Pyramidenbahn durch den Strahlenkranz und konvergieren im hinteren Schenkel der inneren Kapsel. Von dort durchziehen sie den Hirnschenkel des Mittelhirns und verlaufen anschließend durch die Querfasern der Brücken-Kleinhirn-Fasern der ventralen Brücke. Im oberen Mark bilden diese Fasern die Pyramiden, prominente Vorwölbungen beiderseits der Mittellinie, woraus sich der alternative Name Pyramidenbahn ableitet. Im unteren Mark kreuzen etwa 90 % der Pyramidenbahnfasern in der Kreuzung (Decussatio pyramidum) und bilden die seitliche Pyramidenbahn, die in der lateralen weißen Säule des Rückenmarks deszendiert. Dort treten die oberen Motoneurone der seitlichen Pyramidenbahn mit den Zellkörpern der alpha- und gamma-unteren Motoneurone in den Vorderhörnern des Rückenmarks in Synapsen.
Die verbleibenden ungekreuzten Fasern deszendieren in den ventralen Anteilen des unteren Marks und des Rückenmarks und bilden die vordere Pyramidenbahn. Diese Fasern kreuzen auf Höhe ihrer jeweiligen Rückenmarksegmente und treten mit den unteren Motoneuronen in den Vorderhörnern in Synapsen.
Die Kreuzung der seitlichen Pyramidenbahn im Mark erklärt ihre klinische Bedeutung. Läsionen oberhalb der Kreuzung (z. B. in der Großhirnrinde, der inneren Kapsel, dem Mittelhirn oder der Brücke) führen zu kontralateraler Lähmung oder Parese, während Läsionen unterhalb der Kreuzung (z. B. im Rückenmark) ipsilaterale motorische Defizite verursachen.
Referenzen
Snell, R.S. (2010). ‘Chapter 4: The Spinal Cord and the Ascending and Descending Tracts’, in Clinical Neuroanatomy. (7th ed.) Philadelphia: Wolters Kluwer Health/Lippincott Williams & Wilkins, pp. 154-157.
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