Schläfenpol
Polus temporalis
Definition
Der vorderste bzw. rostrale Pol oder die Spitze des Schläfenlappens wird als Schläfenpol bezeichnet.
Die Region des Schläfenpols ist an verschiedenen kognitiven Funktionen höherer Ordnung beteiligt, darunter die Verarbeitung visueller Informationen für komplexe Objekte, das Erkennen und Benennen von Gesichtern, das autobiografische Gedächtnis (Speicherung von Erinnerungen, die das eigene Leben betreffen), die Zuordnung von Namen zu Objekten, die semantische Verarbeitung (Verarbeitung von Bedeutungen in verschiedenen sensorischen Modalitäten) sowie der Umgang mit sozialen und emotionalen Signalen, Empathie und Einsichtsvermögen.
Schädigungen oder Läsionen des Schläfenpols wurden mit neurologischen Beeinträchtigungen in Verbindung gebracht, wie etwa Prosopagnosie (Schwierigkeiten beim Erkennen von Gesichtern), Verlust des retrospektiven autobiografischen Gedächtnisses, Schwierigkeiten beim Abrufen von Namen (Anomie), Beeinträchtigungen beim Erkennen von Emotionen sowie verschiedenen neuropsychiatrischen Störungen wie der Zwangsstörung, der posttraumatischen Belastungsstörung, der sozialen Angststörung, der Depression und der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).
Referenzen
Herlin, B., Navarro, V. and Dupont, S. (2021). The temporal pole: From anatomy to function—A literature appraisal. Journal of Chemical Neuroanatomy, Vol. 113, 101925.
Snell, R.S. (2010). ‘Chapter 7: The cerebrum’, in Clinical Neuroanatomy. (7th ed.) Philadelphia: Wolters Kluwer Health/Lippincott Williams & Wilkins, pp. 259-261, Fig 7.7, 7.8, & 7.10.